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artist
MOC

Wer sind MOC?


(Anatol Locker: elektron madness, monomachine, glitch & non-glitch, mixing)
(Wolfgang Schmetterer: producing, mixing, text, stimme, bits & echoes)

Das Duo MOC

MOC, das sind Wolfgang Schmetterer und Anatol Locker. Beide laufen jahrelang im Münchner Glockenbachviertel aneinander vorbei. Dabei wohnen sie gerade 50 Meter Luftlinie auseinander. Ein gemeinsamer Freund bringt die Zwei zusammen. Mit einem vorsichtigen Beschnuppern auf der Hälfte der Strecke und einem gemeinsamen "Ja, dann schau ’mer mal" beginnt die Zusammenarbeit.

Sie kommen sie aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Schmetterer lernt Bassspielen und alles nur wegen Dub. Er hält Illbient für eine ganz gerade Sache und spielt jahrelang hektische Garagenmusik - seine Band "Jemand" ist stadtbekannt. Schmetterer kann nicht nur Instrumente, sondern auch Hörspiel und Hintersinniges. Seine Waffe ist nicht Word, sondern ASCII – eben "erst mal in den eigenen Kopf reinhören…". Als "Magentaa" veröffentlicht er süffige Elektronica und gönnt sich als Ausgleich die Produktion von Countrysongs.

Locker lernt Klavier, aber er hat‘s mit Elektronik, Computern, kleinen technischen Geräten. Er experimentiert mit Ambient (u.a. bei "Disquiet Junto"), knobelt neuartige Musik-Collage-Techniken aus, designt Sounds am iPad. Er spielt regelmäßig beim Dance-Jam-Kollektiv "Ambiosonics". Anatol hält einen Game Boy für ein ausgewachsenes Musikinstrument und einen Drehregler für eine große Erfindung der Menschheit.

http://magentaa.taigaland.net
Soundcloud

Phonocake Releases




Compilation Tracks


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Interview


Das große MOC-Sommer-2019-Interview.

# ÜBER MOC - INTRODUCTION

Wo auf der Erde würdet Ihr gerne mal sein wollen?

Anatol: Fernab von jedem Trubel.

Wolfgang: Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Habt Ihr gegenwärtig Lieblingsgetränke oder ein Lieblingsessen?

Wolfgang: Tee in allen Varianten, am liebsten grüner Halbschatten aus Japan. Dunkle Schokolade. Krautwickerl. Crème brûlée. Eis. Eigentlich alles außer Dill.

Anatol: Wasser. Mutterns Marillenmarmelade. Dumplings. ’Ne gute schnelle Nudel. Eis. Und auch keinen Dill, außer im Gurkensalat.

Welche Momente fetzen bzw. gefallen Euch so richtig?

Wolfgang: Die hellwache Leere nach 10 km Waldlauf. Der magische Moment im Studio, wenn alles passt: das Licht, die Performance, die Personen und sich alle verwundert ansehen. E-Bass spielen und Background singen. Und wenn Anatol mit einem inspirierenden neuen Gerät im Studio auftaucht und die nächsten fünf Spuren wie von selbst entstehen.

Anatol: Wenn Wolfgang aus der nordkoreanischen Nachrichtensprecherin per Vocoder einen K-Pop-Star gezaubert hat. Kurzwellengeknirsche. Der Moment, wenn man den Bass auf einer sehr, sehr guten PA reindreht. Und wenn der Postbote mit dem neuen leckeren Teilchen für den Modularsynth vor der Türe steht.

# YOUR MUSIC

Bitte erzählt unseren Lesern doch etwas über Euren musikalischen Produktionsprozess. Macht ihr zusammen im Studio Musik oder wie läuft das bei Euch?

Anatol: Wir nehmen in Wolfgangs Studio über Wochen unzählige Spuren auf, die wir dann im Lauf von Monaten wieder ausdünnen. MOC braucht Zeit und will sich auch Zeit nehmen.
Am aktuellen Release haben wir knapp 5 Jahre gefrickelt. Dabei hatten wir uns diesmal vorgenommen, mit weniger Spuren auszukommen. Gestartet sind wir mit jeweils drei Aufnahmen, die wir uns gegenseitig vorgespielt und dann erweitert haben. Natürlich haben wir unseren guten Vorsatz sofort über Bord geworfen und mehr Spuren denn je produziert - die wir dann wieder rigoros ausgedünnt und umgearbeitet haben.

Wolfgang: Dabei arbeiten wir gerne mit Musik-Hard- und -Software, mikrofonieren aber auch mal einen Akkuschrauber oder 3D-Drucker als Percussion-Sound. Hardware wie ein echtes E-Piano, der gute alte Fender Precision Bass und diverse Drumboxes sorgen für Tempo und Spannung im kreativen Prozess. Die Aufnahmen montieren wir dann am Rechner in einen neuen Kontext, was eigentlich die meiste Arbeit ist. Da wird mehrfach umgestellt, verworfen und neu übermalt.

Anatol: Ich denke, “detailverliebt” ist hier die richtige Vokabel. Allein der Feinschliff beim Sounddesign, Mischen und Mastering hat bei “Chats” ein gutes Jahr gedauert. Die Stücke haben sich im Lauf der Zeit auch stark verändert. Eigentlich ist diese Veröffentlichung das Destillat aus drei Alben.


Was ist denn euer musikalischer Ursprung? Wo kommt ihr her und wo seid ihr jetzt? Wie kam es zu Eurem jetzigen musikalischen Stil?

Wolfgang: Ich komme ganz klar aus den 80er Jahren, aus dem Post-Punk: Alles auf Neu - und zwar immer, keine Presets, keine Standards. Essenziell und kreativ ist für mich Dub. Der Übergang, die Version, das Unkomplette. Ich mag generell schöne Melodien, auch gerne im Bass. Und ich mag Energie, sei es im Punk oder die fetten Beats des Boom Bap Hiphop.

Anatol: Meine musikalische Sozialisation liegt irgendwo zwischen den Beatles und Can. Ich kann stundenlang einer Ambient-Drone zuhören und bin immer auf der Suche nach dem Sound, den ich noch nicht gehört habe. Und nach dem nächsten Gerät, das mir den Inspirations-Kick bringt.

Wolfgang: Unser gemeinsamer MOC-Stil basiert auf langer, vertrauensvoller und vor allem respektvoller Zusammenarbeit. Wir haben Spaß an denselben musikalischen Dingen und auch kein Problem damit, mal zurückzustecken, wenn der andere die bessere Idee hat. Wir spielen, wenn wir an Musik arbeiten. Es gibt keine Verbote oder so. Was ausprobiert werden will, wird ausprobiert, ganz egal wie lange es dauert.


“MOC” - was bedeutet euer Name eigentlich?

Wolfgang: Eigentlich begann alles mit einem Wien-Besuch. Ich war da im “MAK”, dem Museum für angewandte Kunst. Die waren dort auf dem Trichter, dass sie das Museum super-corporate aufziehen wollten, also mit einem taschenbuchdicken Katalog, einem “CEO” (a.k.a. Museumsdirektor), einem “Mission Statement” (a.k.a. Geleitwort) usw. Wir haben dann gleich einen Track aufgenommen, in dem wir die hohle Wortproduktion des MAK auf die Schippe genommen haben.

Anatol: Und seitdem sind wir “MOC”. Es gibt natürlich 3000 weitere Bedeutungen der Abkürzung, ein Veranstaltungszentrum gleichen Namens in München und es hat auch eine gewisse Ähnlichkeit zu “MUC”, dem Münchner Flughafen, aber wir sind nun eben “MOC”. Vielleicht auch “das MOC”.


Was muss man über euer aktuelles Release “Chats” wissen?

Anatol: “Chats” ist für Leute mit sehr offenen Ohren. Ein Angriff auf Convenience und schlechte Gewohnheiten. Vermutlich eine Zumutung für Dogmatiker und Pragmatiker. Ein Plädoyer für das Neue und Ungewohnte.

Wolfgang: “Chats” ist Musik für Ausdauersportler. Die Ergebnisse sind nachhaltig, du siehst sie aber erst in 5 Jahren. Und das alles passiert in nicht mal 30 Minuten!

Anatol: “Chats” ist ein musikalisches Katzenvideo - ganz im Hier und Jetzt. Bisschen kuschelig, aber auch mit Krallen. The Melvins play Twitter.

Spielt Ihr eigentlich auch manchmal live oder hättet ihr mal Bock drauf?

Wolfgang: Gib uns Geld und wir spielen wieder live.

Was macht ihr musikalisch neben MOC?

Wolfgang: Ich habe die letzten Jahre zwei Songwriter-Pop-Alben im für andere Künstler aufgenommen, produziert, gemischt und gemastert. Außerdem arbeite ich an neuem Material für mein Solo-Projekt “Magentaa”. Und dann kommt noch demnächst eine Koop mit einer tollen Sängerin aus München raus. Musikalisch ist das im langsamen elektronischen Sektor zu verorten, mehr kann ich aber noch nicht darüber erzählen.

Anatol: Neben MOC habe ich derzeit drei weitere musikalische Projekte: Live-Elektronica mit Ambiosonics, die musikalische Challenge “Disquiet Junto” und das Modular-Synthesizer-Duo Lucid Grain mit Martha Bahr.


# MUSIC IN THE NET

Was denkt ihr über die ganzen Entwicklungen und Stände zur Musik im Internet? Da hat sich ja doch ziemlich viel bewegt in den letzten Jahren.

Wolfgang: Ich fand die Netzmusik-Trends schon einmal spannender, vor allem in den Nuller-Jahren. Die Mashup-Kultur war großartig, die gab es nur durch das Internet. Heute sehe ich vor allem Micro-Szene-Helden von der Strahlkraft eines Gartenzwergs. Mir fehlen da oft die größeren Zusammenhänge, wie sie in den 80er/90er Jahren beispielsweise eine Spex herstellen konnte. Die Popkultur hat sich auch verlagert - weg von der Musik hin zu visuelleren Genres wie Games und Video.


Gibt es irgendwelche Netzlabel oder andere Künstler im Netz, die Ihr empfehlen würdet?

Anatol: Die Tages-Tipps von Bandcamp finde ich großartig, um neue Musik zu finden. Außerdem sind das Disquiet Junto Projekt und das Lines-Forum (https://llllllll.co) eine stetige Inspirationsquelle für mich.

Wolfgang: Ich versuche, mich vom Netz und den 1000 Möglichkeiten nicht zu sehr beeindrucken zu lassen. Wenn ich zu viel online oder im medialen Overkill bin, fühle ich mich, als ob ich keine Ideen mehr hätte. Also gehe ich lieber raus in die Natur - da kommen die neuen Connections, die Ideen von ganz alleine.

Anatol: Musiker vom Schlag einer Billie Eilish finden wir beide gerade richtig super. Da entsteht ein neues Level an Pop-Inhalten und Sound. Und das ist sehr, sehr gut gemacht.

Wolfgang: Abgesehen davon: Das Dresdener Netlabel “Phonocake” ist ein alter Favorit von uns. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir hier releasen dürfen und dass sie unsere schon etwas verschrobene Musik so wertschätzen und unterstützen. Danke!

# LOCAL

Gibt es eigentlich bei Euch in München eine Electronica Subkultur-Szene? Oder allgemein: was geht eigentlich in MUC bzw. Bavaria?

Anatol: Es gibt eine gut durchmischte Subkultur-Szene in Bayern, vor allen in Sachen HipHop, Electronica, Experimental, Jazz und Techno. Ich hänge aber nicht in den Szenen ab, weil ich lieber etwas selbst mache, als es zu konsumieren. Klingt elitär, ist aber nicht so gemeint. Ich bin einfach lieber im Studio als in einem mittelmäßigen Konzert.

Wolfgang: Ich schaue mir live lieber The Melvins als elektronische Musik an. Da ist die Interaktion direkter und spannender.

Anatol: Wobei im Elektronica-Bereich in den letzten Jahren in München viel passiert. Das Meiste passiert auf Festivals, zum Beispiel das DigitalAnalog, die Knobs and Wires oder das Ambient Waves.

#Best Practice

Was ist der beste Rat, den ihr anderen Musikern geben würdet?

Wolfgang: Augen auf bei der Wahl deines Umfelds. Etwas, was ich beim Radfahren gelernt habe: Wenn du der Schnellste sein willst, hilft es eher wenig, alles zu geben - 357 andere Radler sind immer schneller. Die erfolgversprechende Strategie ist es, da zu fahren, wo sonst keiner fährt. Der Wald ist dein Freund, hier überholt dich keiner.

Anatol: Tipp Nummer 1: Mach Dein Ding. Haue Tracks lieber schneller als langsamer raus (ausser Du bist MOC). Je regelmäßiger man publiziert, desto schneller findet man sein Publikum. Tipp Nummer 2: Suche Gleichgesinnte und improvisiere gemeinsam. So findet man schneller seine Stimme und lernt, musikalisch auch mal die Klappe zu halten. Tipp Nummer 3: Drehe nie, nie, nie nur am Lowpass-Filter rum. Sonst klingst Du wie eine Million anderer langweiliger Songs.




 
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